Schema F

Oft wünscht man sich gerade die Dinge am meisten, die man nicht hat. Ich tue dann gerne so als hätte ich sie bereits.

Ich weiss nicht, ob das dann in der Situation hilfreich ist. Wenn man nur ein Bein hat, wächst einem ja auch kein Zweites, nur weil mein sich vorstellt, dass es so wäre. Dabei fällt mir auf, dass ich zwei gesunde Beine habe. Nicht nur das. Ich habe auch genug Geld um meinen Kühlschrank mit Lebensmitteln zu füllen. Plus ein Dach über dem Kopf. Diesen Luxus hat nicht jeder Mensch auf die Welt.

Das ist verrückt

Der WegAm anderen Ende der Welt verhungern Menschen und flüchten vor politischen Gegebenheiten. Ich habe alles, was es braucht um glücklich zu sein, doch ich habe so meine Probleme damit. Ich habe es immer als das Ziel am Ende eines Weges gesehen. Es ist dieses „eines-Tages-„Ding. Eines Tages bin ich glücklich. Eines Tages finde ich wieder jemanden, mit dem ich eine Liebesbeziehung eingehe. Eines Tages bin ich reich. Aber was ist, wenn dieser Tag niemals kommt? Vielleicht ist schon alles in meinem Leben, das ich zum glücklich sein benötige. Vielleicht habe ich immer an der falschen Stelle gesucht. Nämlich am Ende des Weges.

Ich habe nie links oder rechts des Weges oder auf dem Weg selbst geschaut. Sicher habe ich die ein oder andere Abzweigung genommen, die von diesem Weg wegführte. Des Öfteren lief ich so in Sackgassen und musste wieder umkehren. Doch ich fand immer wieder zurück zu dem ursprünglichen Weg. Manchmal war es auf ihm matschig oder es lagen mir Steine im Weg, so dass ich nicht sonderlich gut voran kam. Jedoch hatte ich immer einen Grund zum weiterlaufen:

Ich muss mein Ziel erreichen

Vielleicht ist jetzt aber die Zeit gekommen um inne zu halten. Vielleicht ist jetzt die Zeit gekommen zu sehen, dass es gut ist so wie es ist. Das alles sind natürlich nur Bilder, jedoch erkenne ich die Parallelen. Ich hatte für eine lange Zeit das Ziel eine erfolgreiche Karriere in meinem Arbeitsfeld Online-Marketing zu machen. Das war mein Ziel. Aber ich wurde immer wieder krank und konnte nie einen Arbeitsvertrag bis zum Ende erfüllen. Irgendwann dachte ich gut, dann musst du einen anderen Weg einschlagen.

Das führte mich scheinbar in eine andere Situation und auf einen anderen Weg. Aber das war gar nicht so. Ich habe immer noch die innere Einstellung, dass ich etwas Bestimmtes tun muss um mir meine Herzenswünsche zu erfüllen. Mein Gefühl sagt mir, dass es aber anders ist. Es ist ein undurchschaubares Gefühl, aber es will mir sagen, dass sich Wünsche schneller und auf eine Ein neues Schemaandere Art realisieren, als ich mir das mit meinem Geist vorstellen kann.

Was wenn ich für Ziele gar nicht hart arbeiten brauche?

Was wenn alles ganz locker und leicht ist? Ich habe mir diese Fragen nie gestellt. Ich war immer damit beschäftigt mich ganz doll anzustrengen und hart zu arbeiten. Mehr arbeiten, mehr trainieren, weniger schlafen. Meine Ziele, jene die ich mir setzte, habe ich nicht erreicht. Je mehr ich mich anstrengte, desto weiter rückten sie in die Ferne. Schließlich blieb ich kraftlos zurück – ohne Perspektive. Ich sah Tage kommen und gehen. Die Welt drehte sich einfach weiter, doch ich drehte mich nicht mehr mit ihr.

Vielleicht ist genau das der Punkt. Denn ich habe in dieser Situation wieder versucht das alte Schema anzuwenden. Ohne Kraft und als totales Wrack habe ich versucht mit aller Macht die Situation zu bekämpfen. Ich muss dagegen ankämpfen, mich anstrengen und dann komme ich da wieder raus. Das dachte ich. Dabei brachte mich genau diese Einstellung in diese Situation und kann es doch nicht besser machen.

Es ist Zeit für ein neues Schema

Aber wie sieht das aus? Erst einmal setze ich mir keine Ziele mehr. Ich versuche nicht mehr schön, reich oder glücklich zu sein. Denn genau das hat mich ziemlich unglücklich gemacht. Ich arbeite nicht mehr hart für irgendwelche Ziele, denn ich habe keine. Ich bleibe einfach mal stehen und schaue mich um. Ich hole tief Luft und merke die Anspannung, die auf meinen Schultern lastet, die sich da ganz unbemerkt über die Jahre angesammelt hat.

Wo dieser Weg mich am Ende hinführt, weiss ich nicht. Jedoch weiss ich, wohin mich mein alter Weg geführt hat und das reicht mir als Wissen. Selbst wenn ich es wollte, kann ich diesen Weg nicht weitergehen, weil jegliche Kraft verbraucht ist. Also bleibe ich einfach hier sitzen und erfreue mich der Dinge, die bereits in meinem Leben sind. Vielleicht kommen noch ein paar neue hinzu. Wenn das nicht so sein sollte, ist das gar nicht weiter schlimm, weil ich mich ja über die anderen bereits freue. Mein Leben ist dann nicht mehr zu 100% darauf ausgerichtet etwas nachzujagen, dass ich vielleicht niemals erreichen werde.

 

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