Hauptsache: Schnell

Dinge, die mit Ruhe angegangen werden, haben Bestand.

Ich kann mich jetzt sofort 24/7 einem Projekt verschreiben und versuchen es mit aller Macht durchzudrücken. So schnell wie möglich. Husch, Husch. Schnell, schnell. Done is better than perfect, right? Ich glaube, dass das der falsche Ansatz ist. Die meisten Projekte sind Marathonstrecken und keine 400 Meter Bahnen. Man muss sich Zeit für sie nehmen und dabei bleiben um die Ziellinie zu erreichen. Genauso habe ich neulich gelernt, dass man nicht jeden Gedanken verfolgen muss.

Gedanken sind so verlockend

Gedanken sind verlockendEs ist ziemlich leicht ihnen zu folgen und am Ende findet man sich in einem Labyrinth wieder, das man ohne die Führung eines Ortskundigen nur schwer wieder verlassen kann. Dabei ist das Prinzip einfach. Es gibt überall Notausgangstüren. Leider sind sie gut versteckt und man hetzt weiter wie ein Irrer durch die Gänge des Labyrinths. Man läuft in eine Sackgasse nach der anderen. Das ist ziemlich frustrierend. Aber so ist das Leben. Eine ziemlich abgedroschene Phrase, finde ich.

Oft glaubt man ja, jeden Tag etwas bestimmtes erreichen zu müssen. Ziele, Aufgaben, To Do-Listen. Für mich geht es um schreiben, malen, Musik und reden. So entdecke ich die tieferen Ebenen. Wenn ich jeden Tag an meinem Schreibtisch auftauche und dort kreativ bin. Dann tauche ich ab, wohin weiss ich nicht so genau, und kehre wieder zurück. Das ist wie schwimmen. Da springt man zunächst ins Wasser. Erstmal ist das ein unbekanntes Umfeld und ein ganz anderes Element.

Man darf sich dort nicht zulange aufhalten

Wenn man zu tief taucht, geht einem die Luft aus und man ertrinkt. Fische ertrinken nicht. Dafür können sie aber auch nicht mal eben kurz ans Land. Denn dort geht es ihnen ziemlich schnell, ziemlich dreckig. Wir Menschen können das aber. Wir können eben mal kurz das Element wechseln. Bei der Kreativität verhält es sich wie mit dem Wasser. Schreibt man zuviel, malt man zuviel – dann ertrinkt man in gewisser Hinsicht auch. Wenn ich zu lange im Wasser der Kreativität unterwegs bin, bekomme ich das Gefühl durchzudrehen.

Aber was soll ich machen? Ich liebe es nun einmal, diese Dinge zu tun. Ich liebe es den Kugelschreiber zu beobachten, wie er über das Papier fährt, dieses Geräusch macht und dabei diese Linien hinterlässt. Wenn die Seite dann voll ist, mit was auch immer, fühle ich mich gut. Manchmal knarrt beim Schreiben die Schreibtischlampe, weil der Tisch wackelt. An manchen Tagen nervt mich das tierisch (heute) und an anderen ist es Musik in meinen Ohren. Verrückt!

Eine gute Erfolgsquote

Die SonderablageIch liebe es Bilder zu malen. Ich könnte nie etwas abzeichnen. Ein Porträt oder eine Landschaft. Aber dafür gibt es heute ja Digitalkameras. Ich begnüge mich mit bunten Farben, spontan entstandenen Formen und vom Computer generierten Lichteffekten. In 90% der Fällen gefällt mir auch, was ich da tue. Für die restlichen 10% gibt es die Sonderablage P. Ein bisschen Verschnitt ist halt immer. Die richtige Balance zu finden, ist jedoch schwierig.

Wenn man diese Hochphasen hat, in denen ich so richtig kreativ bin, fühle ich mich natürlich total super. Aber dann gibt es diese Leerlaufzeiten und es passiert einfach gar nichts. Das ist die Hölle!Arrgh! Da will ich dann irgendwas machen, es fühlt sich aber falsch und erzwungen an. Das merke ich dann auch sofort und die Sonderablage füllt sich. In diesem Moment gebe ich mich auch mit nichts zu frieden. Ich kann mich nicht einfach auf die Couch legen und den lieben Gott einen guten Mann sein lassen.

Was für ein Bullshit!

Es muss schließlich was passieren. Auch dieser Gedanke gehört in die Sonderablage für Gedankenmüll. Ich weiss ganz genau, dass ich diesem Gedanken in meiner nächsten Schaffenspause wie ein Gestörter hinterher hecheln werde. Machen, machen, machen! Mach eher mal eine Pause, Alter! Aber genau das fällt dann sehr schwer und ich habe auch gar keine Lust etwas anderes zu tun. Das ist ja das Schlimme. In diesem Moment sollte ich wahrscheinlich einfach nichts zu tun.

Aber das checke ich dann nicht und das Nichts kommt mir in diesem Moment schrecklich langweilig vor. Gegenüber dem Nichts ist es natürlich unheimlich gemein so etwas zu sagen. Ich wäre schließlich auch beleidigt, wenn zu mir jemand sagen würde: „Du bist langweilig!“ Das Nichts hat ja schließlich auch seine Da-Seins Berechtigung. Ganz kurz: Wer vergibt die eigentlich? Spannende Frage. Aber der Punkt ist doch, dass ich das Nichts gar nicht so gut kenne.

Das hat mit Faulheit nichts zu tun

Nichts tun heisst ja nicht, Videospiele und Nachos – das wäre dann chillen. Nicht, nichts tun. Obwohl ich oft sage, dass ich nichts gemacht habe, wenn ich in Wirklichkeit gechillt habe. Denn darunter können sich die Leute weniger vorstellen. Außerdem ist chillen in unserer Gesellschaft nicht akzeptiert und genießt keinen guten Ruf. Genauso wie das Nichts.

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