Eine Gute Frage

Ich liebe Fragen. Sie führen, wenn man sich eine Weile mit ihnen beschäftigt, zu Antworten.

Manchmal ist es leicht eine Antwort zu finden. Aber nicht immer. Manchmal gefällt einem die Antwort. Aber nicht immer. Neulich fragte mich jemand: „Was macht ein Mann wie sie an einem Ort wie diesem?“ Gute Frage! Doch im Nachhinein ergab sich aus dieser Frage eine ganz andere. Denn: Was bin ich den überhaupt für ein Mann?

Darüber habe ich mir noch nie Gedanken gemacht. Es ist genau die Art von Frage, deren Beantwortung nicht leicht fällt. Es ist genau die Art von Frage für die man sich Zeit nehmen muss und ich weiss gerade nicht, ob mir die Antwort gefällt. Mein Gefühl sagt mir aber, dass sie mir gefallen wird.

Aber mal abwartenFeeling

Also ich nehme mir Zeit für die Frage. Ich nehme mir auch einen Stift und ein Blatt Papier, ansonsten bekomme ich keine Antwort. Was bin ich denn für ein Mann? Nun das ist cool. Ich bin ein Mann, Männer sind cool. Wir sitzen am Lagerfeuer, trinken Bier und erzählen uns unsere Kriegsgeschichten. Die entsprechen nicht immer ganz der Wahrheit und am Lagerfeuer sitzen wir auch eher selten. Aber die Vorstellung ist romantisch und gefällt mir ganz gut.

Männer übertreiben eben gerne – manche mehr als andere. Mir fällt es oft schwer bei der nackten Wahrheit zu bleiben. Gerade bei Fragen wie: Wie geht es Dir? Was machst du so beruflich? Wenn man auf diese Fragen nicht mit „gut“ und „ich arbeite für die Firma XY“ antworten kann, wird es unangenehm für alle Beteiligten. Trotzdem versuche ich neuerdings mit „schlecht“ und „gar nichts“ zu antworten. Das gelingt mir nicht immer.

Ich bin also ein Mann, der versucht die Wahrheit zu sprechen und manchmal schafft er das nicht. Klingt gut. Aber reicht mir das als Antwort auf die Frage? Nein! Auf keinen Fall. Ich bin nämlich auch ein Mann, der sich nicht so schnell zu frieden gibt und meistens auch ziemlich hart zu sich ist. Gleichzeitig sind mir aber auch viele Dinge egal. Ich leide nicht unter Perfektionismus. Glaube ich zumindest.

Nicht alles, was ich mache, muss perfekt sein

Ich habe gewisse StandarsJedoch habe ich gewisse Standards. Ich vergleiche mich immer mit den Besten. Dabei stelle ich dann am Ende immer fest, dass ich auf Gebiet X nicht so gut wie Person Y, aber immer noch besser als die meisten anderen. So funktioniert mein Gehirn. Das macht mich nicht wirklich glücklich. Aber manchmal bin ich zumindest zufrieden mit meiner Arbeit oder den Dingen, die ich eben so mache. Das ist ja auch schon mal was. Ich schaue es mir an und denke, dass es cool ist.

Das ist aber nicht immer so. Denn wenn ich nichts tue, habe ich nichts, dass ich cool finden kann. Manchmal verurteile ich mich dann dafür, manchmal ist es mir aber auch einfach herzlich egal. Das ist das Gute an Depressionen. Manche Dinge sind einem einfach nicht mehr so wichtig wie früher.

Ich bin auch ein Mann der Fragen stellt. In den meisten Fällen stelle ich sie mir selbst und finde auch eine Antwort. Mittlerweile habe ich festgestellt, dass gewisse Fragen zielführender sind als andere. Fragen sind mächtig und die Art der Fragestellung bestimmt maßgeblich über die Lebensqualität.

Warum-Fragen sind nicht so gut. Muss ich wissen, warum es mir schlecht geht oder warum das Leben schlecht zu mir ist? Nein! Viel spannender sind die Antworten der Was-Fragen. Sie erklären einem Dinge. Zum Beispiel erklären sie mir gerade, was ich für ein Mann bin. Heute morgen wusste ich das noch nicht.

Am allerbesten sind jedoch die Wie-Fragen. Sie sind echte Problemlöser. Wie kann ich wieder am Leben teilnehmen? Wie kann ich angesichts meiner gesundheitlichen Situation finanzielle Sicherheit erlangen? Sau gute Fragen.

Keine Konstanz – immer auf und ab

Ich bin aber auch ein sehr übertriebener Mann. Ganz egal bei was. Ich neige dazu zu übertreiben. In meiner Jugend waren es Alkohol und Drogen, später Sport, Arbeit oder Kreativität. Es gab nie ein Mittelmaß und das gibt es auch heute noch nicht. Heute weiss ich, dass das nicht unnatürlich ist für Menschen mit einer bipolaren Störung. Aber früher war das ziemlich schlimm für mich.

Sport, Arbeit, Kreativität – das tritt häufig im Übermaß in einer manischen Phase auf. Während ich in depressiven Phasen zu Alkohol und  Drogen greife. Fressattacken und Heißhunger sind dann auch manchmal ein Thema.

Ich bin auch ein Mann mit einer ausgeprägten weiblichen Seite. Uhu, er hat weiblich gesagt. Hihi! Jap. Ich bin sensibel, meditiere und lebe gerne meine Kreativität aus, wenn ich die Kraft dazu habe. Früher war mir das peinlich. Heute finde ich es cool.

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